Sonntag, 27. September 2026

Wasserstände über 5 Meter an der Westküste der USA in Kürze möglich

Heidelberger Zeitung – Wissenschaft & Klima

Wenn der Pazifik sich hebt: Die ungewöhnlichen Wasser- und Windphänomene des Jahres 2026

Von Alexander Kloos

Heidelberg – Die globalen Ozeane erleben derzeit eine der ungewöhnlichsten Phasen seit Beginn der modernen Messungen. Der tropische Pazifik ist so stark erwärmt wie selten zuvor, und die Folgen reichen weit über die Küsten Amerikas hinaus. Neue Analysen zeigen, dass sich mehrere großskalige Wasser- und Windströmungen überlagern – mit messbaren Auswirkungen auf Meeresspiegel, Küstenstabilität und Extremwetter.

Eine Warmwasserzunge wandert nach Norden
Im Zentrum steht ein außergewöhnlich starkes El Niño‑Phänomen. Normalerweise erwärmt sich der Pazifik im Bereich zwischen Südamerika und Indonesien nur an der Oberfläche. Doch in diesem Jahr reicht die Wärme ungewöhnlich tief:  
Messungen zeigen Temperaturanstiege von bis zu 3 °C in 150 m Tiefe und 1–2 °C in 300 m Tiefe.  

Diese Wärme dehnt das Wasser aus und erzeugt eine großräumige „Warmwasserzunge“, die sich entlang der südamerikanischen Küste von Süden nach Norden schiebt.  
Sie erreicht inzwischen Mexiko und Kalifornien und hebt den Meeresspiegel dort um mehrere Dezimeter an.

Kelvin‑Wellen verstärken den Effekt
Zusätzlich laufen sogenannte Kelvin‑Wellen durch den Pazifik – gigantische Wasserwalzen, die durch veränderte Windmuster entstehen.  
Sie drücken warmes Wasser nach Osten und heben den Meeresspiegel entlang der amerikanischen Küsten um 20–40 cm an.  
In Kombination mit der Warmwasserzunge entsteht ein ungewöhnlich hoher Grundpegel, der sich bis nach San Francisco bemerkbar macht.

Windstress: Wasser wird gegen die Anden gedrückt
Die Passatwinde, die normalerweise warmes Wasser westwärts transportieren, sind in diesem Jahr geschwächt oder umgelenkt.  
Phasenweise drücken Ostwinde das Wasser direkt gegen die südamerikanische Küste.  
Dadurch staut sich das Wasser zusätzlich und wandert weiter nach Norden – ein Effekt, der in den kommenden Monaten noch zunehmen könnte.

Hurrikan Polo: Eine zweite Welle von Westen nach Osten
Während die Warmwasserzunge langsam nach Norden wandert, erzeugen tropische Wirbelstürme im Ostpazifik eine zweite Wasserbewegung:  
Sturmfluten, die vom offenen Ozean von Westen nach Osten auf die Küsten Mexikos treffen.

Der jüngste Fall ist Hurrikan Polo, der innerhalb von 24 Stunden von Kategorie 1 auf Kategorie 5 explodierte.  
Solche Stürme können den Meeresspiegel lokal um 5–7 m anheben, in Extremfällen sogar mehr.  
Diese Sturmflut trifft zwar nicht die US‑Westküste direkt, beeinflusst aber die großräumigen Druckmuster und kann die nordwärts wandernde Warmwasserzunge indirekt verstärken.

Zwei Wellen, ein Ozean – und eine seltene Überlagerung
Damit wirken im Pazifik derzeit zwei Wasserbewegungen gleichzeitig:

- Süd → Nord: Warmwasserstau durch El Niño  
- West → Ost: Sturmflutdruck durch Hurrikan Polo und ähnliche Systeme  

Diese Überlagerung ist selten und führt zu Meeresspiegelanomalien, die in einigen Regionen 50–70 cm über dem Normalwert liegen könnten – deutlich mehr als die üblichen Prognosen von 10–30 cm.

Warum das kaum medial sichtbar ist
Viele dieser Prozesse sind großskalig, langsam und schwer zu visualisieren.  
Sie erzeugen keine spektakulären Bilder, sondern langfristige Veränderungen, die erst in den Messdaten sichtbar werden.  
Während einzelne Hurrikans Schlagzeilen machen, bleibt die großräumige Wasserverlagerung oft unbeachtet – obwohl sie langfristig die größere Wirkung hat.

Fazit
Der Pazifik befindet sich 2026 in einem Zustand, der nur selten vorkommt:  
Ein überhitzter Ozean, tiefreichende Warmwasserzonen, Kelvin‑Wellen, veränderte Windmuster und extrem starke Wirbelstürme wirken gleichzeitig.  
Die Folgen reichen von Mexiko über Kalifornien bis in die globalen Klimasysteme hinein.  
Für die kommenden Monate wird erwartet, dass diese Prozesse weiter aktiv bleiben – und die Küsten des Pazifiks genau beobachten müssen, wie sich der Ozean weiter verändert.

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Dieser Bericht entstand einer Feder aus der Gonzo Arbeitsgruppe, die von Alexander Kloos navigiert wird.

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